Jack in the Box

Beschäftigungsförderung trifft auf Nachhaltigkeit

Wohnen

JACK IN THE BOX verbindet Beschäftigungsförderung mit nachhaltigem Design in einer ganz neuen Dimension: Aus alten Überseecontainern entstehen attraktive, multifunktionale Räume.

Martin Schmittseifer kommt 2003 während eines Fahrradausfluges zum ersten Mal die Idee, aus Containern Wohnraum zu schaffen. Am Kölner Hafen nimmt der Sozialarbeiter die Container, die das Hafenbild prägen, erstmals bewusst wahr und interessiert sich für verschiedene Verwendungszwecke der bis zu 12 Meter langen und fast 3 Meter hohen Überseecontainer. Ab diesem Zeitpunkt sind Container nicht mehr wegzudenken aus seinem Leben. Der Gedanke, die hohe See ins Wohnzimmer zu holen – besser, die hohe See Wohnzimmer werden zu lassen, hat Martin nicht mehr losgelassen.

Er gründete 2006 den gemeinnützigen Verein JACK IN THE BOX, der sich zum Ziel gesetzt hat Arbeitslose in die moderne Wirtschaft einzubinden und auf der Suche nach Beschäftigung zu begleiten. Denn für den Sozialarbeiter, der von Berufs wegen mit den Problemen der Arbeitslosigkeit vertraut ist, stand von Anfang an fest, dass die Projektarbeit des Vereins gemeinsam mit Langzeitarbeitslosen realisiert werden sollte.

 

Alles andere als Standard

Der rohe, stählerne Container ist der Rohstoff, aus dem Fantastisches entstehen kann. 10 Jahre lang dient er zur Lastenbeförderung auf dem rauen Meer, bevor ein Container von JACK IN THE BOX aufgekauft und aufgewertet wird. Er bietet vielseitige Möglichkeiten zur Beschäftigungsförderung. Aus ihm soll Lebensraum entstehen. Büros, Kultureinrichtungen, Wohnungen, soziale Unterkünfte und Jugendtreffpunkte – sogar Barkonzepte liegen vor. Das schafft Arbeit für viele berufliche Felder. Vom Schreiner bis zum Vertrieb und Marketing beschäftigt ein Container ca. vier Personen am alten Güterbahnhof in Köln Ehrenfeld. Jedes Projekt, jeder Auftrag verlangt den Mitarbeitern neue Fertigkeiten ab, die sie während der Zeit bei JACK IN THE BOX erlernen. Aus Standard-Containern entsteht so außergewöhnliche Architektur und beachtliches Design. Denn das Innenleben der Container ist alles andere als Standard. Sie alle sind Unikate. Über zwei Monate hat die Endmontage des Pilotprojekt-Containers gedauert. Holzvertäfelungen, große Glasfronten und aufwendige Beleuchtung lassen im Innenraum des Containers nichts mehr von der rauen See spüren, auch wenn er von außen beinahe wie seine Artgenossen aussieht.

 

Es ist die Gesellschaft, die nach dieser Architektur verlangt. Innerstädtischer Wohnraum wird immer teurer und immer knapper. Gerade deshalb ist der Standard-Container auch im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung. Er ist flexibel einsetzbar und kann schnell auf- und wieder abgebaut werden. Brach liegende, wertvolle innerstädtische Flächen können binnen kürzester Zeit revitalisiert und als neuer Wohnraum genutzt werden. Dank seiner standardisierten Größe ist er beliebig kombinier- und erweiterbar, sodass Container auch in Kombination das Stadtbild ergänzen können. Mit diesem städtebaulichen Konzept „Stapelhaus Dortmund“ bewarb sich die Architektengruppe von JACK IN THE BOX bereits 2004 bei dem Ideenwettbewerb „1000 Baulücken in NRW“ der Architektenkammer und gewann den Wettbewerb überraschend. Dieser Erfolg motivierte sie und stärkte das Selbstvertrauen, das sie in die Vereinsgründung und die Beschäftigungsförderung steckten.

Upcyclingist das Zauberwort und der Schlüssel zum Erfolg

JACK IN THE BOX verbindet vorbildliche Beschäftigungsförderung mit wunderschönem und nachhaltigem Design und hilft ganz nebenbei die städtebaulichen Probleme dieser Welt zu lösen. In diesem Zuge wird das Modell der Containerrestaurierung der modernen Gesellschaft gerecht. Der Überseecontainer ist Steckenpferd des Vereins. Bei ihm blieb es allerdings nicht. Aus Undenkbarem wird Handfestes. Aus alten rostigen Fässern entstehen wunderschöne, handgefertigte Bars. Alte Fahrradfelgen werden zu Tischen umgebaut und verbeulte Spinde werden zu Designer-Regalen. Man mag es kaum glauben, aber aus Altpapier entsteht Sitzmobiliar. Viele Arbeitsmaterialien finden in der Werkstatt von JACK IN THE BOX Wiederverwendung. Gerade PVC ist auf natürlichem Wege schwer abbaubar. So verlängert  JACK IN THE BOX beispielsweise das Leben alter Fahrradschläuche. Mit einem Loch wohl kaum noch geeignet für eine Fahrradtour, werden sie nach dem Prinzip des Upcyclings als Sitzfläche einer Bank wiederverwertet. Alte Holz-Obstkisten würden verfeuert werden, wenn aus ihnen keine Vertäfelungen für Sitzhocker oder Schränke gefertigt würden.

 

Der Verein lebt vom und mit dem „Upcycling“. Aus Altem, Ausgedientem Neues, Wertvolleres, Schönes entstehen lassen. Der Begriff Upcycling stammt vom gängigen Wort Recycling, was Wiederverwertung bedeutet. Beim Upcycling werden die Produkte nicht nur wieder verwendet, sondern auf eine höhere Stufe im Produktionskreislauf gehoben. Durch Upcycling werden Abfälle reduziert und bisher ungenutztes Material verwendet. So entstehen nachhaltig hergestellte Produkte, die individuell und außergewöhnlich sind.

Text und Fotos von
Thiemo Hensmann

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