Familia Amigusto

Qualifizierte Ausbildung und nachhaltiger Tourismus in der Dominikanischen Republik

Wohnen

Jährlich reisen rund 3 Mio. Touristen in die Dominikanische Republik. Unter den europäischen Urlaubern sind wir Deutschen neben Franzosen und Spaniern am häufigsten in diesem Karibikstaat zu Gast. Die beliebteste Reiseform ist der Pauschaltourismus: zwei Drittel aller im Land vorhandenen Hotels sind All-inklusive Anlagen. Die meisten der Hotelanlagen befinden sich jedoch in den Händen ausländischer Investoren, wodurch ein Großteil der dominikanischen Bevölkerung nicht von der boomenden Tourismusbranche profitiert. Vor allem in den ländlichen Gebieten im Landesinneren herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und es mangelt an Bildungsangeboten. 2004 lebten 42,2% der Dominikaner unter der Armutsgrenze.

Der Pauschaltourismus hat zudem zufolge, dass die Umwelt leidet. Denn bei der Umsetzung der zahlreichen Großbauprojekte wird in vielen Fällen das sensible Ökosystem gestört. Darüber hinaus wird oftmals keine Rücksicht auf lokale, kulturelle Besonderheiten genommen und die Architektur der Bauten wird nicht an das dominikanische Landschaftsbild angepasst. Durch den Pauschaltourismus wird so eine Art Parallelwelt kreiert, die den Problemen der dominikanischen Gesellschaft nicht gerecht wird und soziale Ungleichheiten verschärft.

Vor diesem Hintergrund ist die Idee entstanden, mit lokalem Know-How und internationalen Partnern im Landesinneren der Dominikanischen Republik ein einzigartiges Zentrum für Innovation und Weiterbildung aufzubauen. Unter dem Dach der Familia AMIGUSTO arbeiten fünf hochqualifizierte Partner an der Realisierung dieses Projektes: Das Instituto Dominicano de Desarrollo Integral IDDI, das Instituto Tecnológico de Santo Domingo INTEC, das innovative Sozialunternehmen SOCIAL², sowie zwei ASA-Stipendiaten und die studentische Unternehmungsberatung Connosco Consulting e.V..

 

Ziel der Familia AMIGUSTO ist es, entwicklungspolitische Projekte in Lateinamerika umzusetzen und langfristig zu finanzieren. Das erste Projekt, das Centro de Innovación, Desarrollo y Sostenibilidad (Zentrum für Innovation, Entwicklung und Nachhaltigkeit, CIDS), strebt an, die Bevölkerung (speziell Schüler) in der Dominikanischen Republik weiterzubilden. Im Vordergrund steht die Vermittlung von theoretischen und praktischen Kenntnissen in den Bereichen Betriebswirtschaft und Design. So sollen die Jugendlichen in die Lage versetzt werden, hochwertige Produkte nach Fair Trade Standards zu fertigen und zu vertreiben. Insbesondere sollen die aus heimischen Ressourcen vor Ort hergestellten Handarbeiten für den Verkauf an die zahlreichen Touristen und den Versand nach Deutschland bzw. Europa geeignet sein.

Um jungen Menschen in den ländlichen und wenig entwickelten Regionen einen Zugang zu Bildung zu verschaffen und die Lebensqualität in dem Gebiet um Bonao zu erhöhen, wurde 2001 nach einem verheerenden Hurrikan von zwei großen amerikanischen Zigarrenproduzenten die Cigar Family Charity Foundation CFCF gegründet. In enger Zusammenarbeit mit dem IDDI gründete diese daraufhin ein Schulzentrum mit angeschlossener Gesundheitsunterstützung. Durch diese Initiative wird mittlerweile 400 Kindern Zugang zu Bildung ermöglicht und eine Zukunftsperspektive geschaffen. Das ca. eine Stunde Fahrzeit von der Hauptstadt Santo Domingo entfernte Schulzentrum eignet sich sehr gut, um das CIDS direkt hieran anzuschließen. Mit der Realisierung des Zentrums greift die Familia AMIGUSTO bereits vorhandenes Engagement vor Ort auf und ergänzt es komplementär mit Know-How, um Möglichkeiten einer langfristigen Eigenfinanzierung für die wichtige Bildungsmaßnahme vor Ort zu eröffnen.

 

Das Ausbildungszentrum schafft im doppelten Sinne Nachhaltigkeit: Erstens wird High-School-Absolventen eine Zukunftsperspektive geboten. Durch die Vermittlung von betriebswirtschaftlichen und designtechnischen Kenntnissen und Fähigkeiten in der Produktherstellung wird die Eigenständigkeit der Jugendlichen gefördert. Nach Beendigung der Ausbildung sollen sie in der Lage sein, sich durch die Gründung eigener Unternehmen selbständig zu machen und hochwertige Produkte nach Fair Trade Standards herzustellen. In diesem Kontext erlangen sie auch ein Bewusstsein hinsichtlich der Thematik der ökologisch und sozial vertretbaren Produktion und der Aufrechterhaltung lokaler Werte und Produkte. Auch sollen sie lernen, die in der Dominikanischen Republik natürlich vorkommenden Ressourcen nutzbar zu machen und dieses Wissen in ihre Gemeinden tragen. Zweitens soll das Projekt auch Touristen direkt zugänglich gemacht werden und nachhaltiges Reisen gefördert werden. Die im Ausbildungszentrum hergestellten Produkte sollen direkt käuflich erworben werden können. Zusätzlich soll den Touristen ermöglicht werden, sich im Projekt auf freiwilliger Basis zu engagieren.

Hier schließt das Vorhaben von Connosco e.V., der studentischen Wirtschaftsberatung der Universität zu Köln, an. Connosco engagiert sich aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit mit Lateinamerika und wird ebenfalls auf dem Gelände der CFCF das Projekt CASAMIGA als Pilotprojekt des CIDS realisieren. Geplant sind Gästehäuser, in denen an dem Projekt interessierte Touristen, Freiwillige und Ausbilder unterkommen können. Der Bau dieser Häuser wird in enger Kooperation mit dem CIDS umgesetzt. Beim CASAMIGA-Projekt wird angestrebt, eine Unabhängigkeit von öffentlichen Versorgungsnetzten zu erlangen. Die Bauten sollen zudem vollständig aus recycelten oder nachhaltig gewonnenen Materialien gebaut werden. Durch Mithilfe beim Bau neuer Appartements, ehrenamtliche Weiterbildung der Auszubildenden oder finanzielle Unterstützung durch den Erwerb der im CIDS hergestellten Produkte können die Touristen auch aktiv beim Aufbau und der Weiterentwicklung des Zentrums mitwirken und so einen Beitrag zur Entwicklung der Region leisten.

 

Koordiniert werden die Entstehung des CIDS und die Familia AMIGUSTO vom Sozialunternehmen SOCIAL² mit Sitz in Köln. Die Firma wurde 2011 von der Gesellschaft für Forschungstransfer (GFFT) als innovativstes Startup ausgezeichnet.

Involviert sind außerdem die beiden ASA-Stipendiaten Charlotte Schuchard und Tobias Reiner. Sie bereiten innerhalb eines dreimonatigen Praktikums bei SOCIAL² die Realisierung des Ausbildungszentrums CIDS vor und reisen im Anschluss in die Dominikanische Republik, um mit der Umsetzung des Projekts zu beginnen.

Die Ausbildung der Schüler im CIDS wird die Universität INTEC übernehmen. Bis dieses Vorhaben jedoch realisierbar ist, ist eine Zusammenarbeit mit weiteren Partnern wie der Handwerkskammer und deutschen Unternehmen geplant.

Die Projekte CIDS sowie CASAMIGA tragen somit dazu bei, strukturelle Probleme der Dominikanischen Republik wie Lücken im Bildungssystem und Massentourismus zu bekämpfen. Anstatt der Region „europäische Ideen“ aufzudrängen greifen die beiden Initiativen sensibel auf lokales Wissen zurück, streben die Eigenständigkeit und finanzielle Unabhängigkeit der Bevölkerung an und unterstützen einen nachhaltigen Tourismus und den Schutz von Umwelt und Ressourcen. Durch die Involvierung deutscher und dominikanischer Partner und den interkulturellen Austausch von Fachwissen zum Thema "Nachhaltiges Bauen mit Bambus" wird ein Prozess des globalen Lernens vertieft.

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