![]() Globale LebensstileNeue Wege für die Entwicklungspolitik
WohnenLebensstile nachhaltig gestalten, dem wahllosen Konsum ein Ende bereiten und deutliche Signale zum verantwortungsvollen Konsum aussenden. Darum ging es am 30. und 31. Januar 2012 auf der 3. Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik. Zum ersten Mal wurden Unternehmen in die Diskussionen der Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik eingebunden und erhielten auf Ständen die Möglichkeit, ihre Lösungsansätze vorzustellen. Dies zeigt auch, dass im Zuge der Globalisierung Unternehmen eine wichtige Rolle einnehmen, wenn es darum geht, Konsumgewohnheiten der Bevölkerung zu ändern, um dadurch letzten Endes eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Der Entwicklungsstand der westlichen Zivilisation ist beachtlich. Und das sieht man ihr auch an: Kraftfahrzeuge der neuesten Generation, Kommunikationsmittel, die an Wünschen nichts übrig lassen und ein Nahrungsangebot, das weit über den heimischen Tellerrand hinausreicht. Aber all diese Innovationen, neuesten Technologien und Markterschließungen, sei es in der Mobilfunkbranche oder an der Obsttheke im Supermarkt, haben äußerst negative Auswirkungen auf die Lebensqualität in Entwicklungsländern. „Wohin wandert der Elektromüll, wenn ich mir jedes Jahr ein neues Mobiltelefon kaufe?“, „Warum ist es schlecht für die Umwelt, wenn ich Früchte aus Brasilien verzehre?“. Fragen wie diese rücken zusehends in das Rampenlicht unserer Gesellschaft, denn unser Wohlstand hängt zu einem wesentlichen Anteil von der Armut der Entwicklungsländer ab. Doch darf man diese Fragen nicht totschweigen, sondern das öffentliche Interesse weiter fördern und die Probleme beseitigen. Wie wirkt sich der Konsum der Industrieländer auf Entwicklungsländer aus? Die Relevanz der Fragestellung, wie und in welchem Ausmaß sich der Konsum der Industrieländer auf Entwicklungsländer auswirkt, stand im Mittelpunkt der dritten Bonner Konferenz für Entwicklungspolitik und wurde bereits bei der Eröffnungsrede von Angelica Schwall-Düren zum Ausdruck gebracht. Die Ministerin für Bundesangelegenheiten Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalens sieht vor allem die Industrieländer in der Verantwortung: „Man kann der Bevölkerung aufstrebender Schwellenländer nicht verbieten, dass sie nun auch Auto fahren wollen. Viel wichtiger ist, dass Industrienationen in Sachen Umweltschutz und Lebensbedingungen eine Vorbildfunktion einnehmen.“ Diese Vorbildfunktion macht keinen Halt vor Grenzen. Sowohl international als auch auf Bundes- oder Landesebene muss agiert werden. Darum ist es umso wichtiger, dass Entwicklungspolitik, die in der Verantwortung des Bundes steht, bereits auf Landesebene thematisiert wird. Denn nur so kann die Bevölkerung für einen verantwortungsvollen Konsum sensibilisiert werden. Neben der Steigerung des öffentlichen Interesses sprach der Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch in seinem Grußwort ebenfalls die Notwendigkeit einer engere Zusammenarbeit von Initiativen und Vereinen mit Firmen an. Nur so könnten „viele Kapazitäten“ und „beeindruckende Lösungsansätze“ neue Wege eröffnen, wie auf globale Lebensstile reagiert werden kann. „Green Economy“ bringt Wirtschaft in Einklang mit Entwicklung Wirtschaft in Einklang mit Entwicklung zu bringen und diese nachhaltig zu prägen, ist nicht nur Aufgabe der Konsumenten, sondern auch Aufgabe der Produzenten und Firmen, die diese Produkte vertreiben. Und genau hier setzen wir mit der Netzwerk-Agentur SOCIAL² an: Mit der Initiierung verschiedener Projekten, wie beispielsweise dem grünen Wochenendmarkt THE MARKET CGN, sensibilisieren wir gezielt junge Leute für einen verantwortungsvollen Umgang mit Mensch und Natur. THE MARKET CGN, der grüne Wochenendmarkt, an dem über 30 nachhaltig produzierende Akteure ihre Waren anbieten, hat sich ausschließlich auf den nachhaltigen Konsum spezialisiert und findet auch 2012 wieder vierteljährig am Alten Köln-Ehrenfelder Güterbahnhof bei Jack in the Box statt. Neben THE MARKET CGN betreiben wir das Online Shopping und Lifestyle Magazin livingResponsible. livingResponsible vertreibt Produkte verschiedener Hersteller, die ausschließlich im natürlichen und sozialen Sinn handeln und verknüpft dieses Geschäftsmodell mit dem Lebensstil der Bevölkerung. Jeder Hersteller wird so bei livingResponsible individuell vorgestellt und der Entwicklungsprozess des Produktes nachvollzogen. Nur wenn die Konsumenten die Relevanz fair gehandelter Waren durch deren Geschichte erkennen, wird der nachhaltige Konsum in der Bevölkerung dauerhaft Fuß fassen. Brice Lalonde, Exekutiv-Koordinator für den Rio+20 Gipfel, sieht dies ebenso: „Green-Economy ist eine gute Lösung, wie die Reichen den Armen nachhaltig helfen können“. Wichtig, so betont es auch Lalonde, ist dabei eine hohe Transparenz, die zur Akzeptanz in der Bevölkerung führen wird. So stellt sich zum Beispiel die Frage, in welchem Umfang der Biokraftstoff E10 einen Beitrag zu Nachhaltigkeit liefert. Nach einem Rechenbeispiel von Joachim von Braun, Direktor des Zentrums für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn, würde die Fläche, welche zum Pflanzenanbau für E10 verwendet wird, ein Jahr Kraftfahrzeug fahren ermöglichen, oder ausreichen, um Getreide anzubauen, welches einen Menschen 26 Jahre lang ernähren könnte. Die Diskrepanz zwischen Tank und Teller, aber auch andere Problematiken, wie die Lebensmittelverschwendung oder geplante Obsoleszenz, stören das Entwicklungsgleichgewicht der Welt. Entwicklungsländer müssen in ihre eigenen Entwicklungsprozesse mit eingebunden werden. Von Industrieländern auf Entwicklungsländer angewandte Modernisierungstheorien greifen durch Gelder alleine nicht. Nur die Schaffung von Programmen, Weiterbildungsmöglichkeiten und Arbeitsstätten, die auch durch persönliche Kontakte aufgebaut und gepflegt werden, prägen ökologischen und ökonomischen Erfolg gleichsam. „Green-Economy“ kann demnach auch Antwort auf Fanny Demassieuxs These sein. Die Koordinatorin für Ressourceneffizienz im Umweltprogramm der Vereinten Nationen ist davon überzeugt, dass man die Lebensstile so beeinflussen muss, dass sie sich auf die Entwicklung positiv auswirken. Da laut Joachim von Braun die Lebensstile durch die Globalisierung und das Vorhandensein vieler Produkte überall auf der Welt immer ähnlicher werden, seien auch Großprojekte erforderlich. Dennoch könne ein jedes Unternehmen gerade durch die Globalisierung eigene Beiträge liefern. Dies wirkt sich wiederum auf Verbraucher, ihren Konsum und dadurch auch auf Umwelt und Entwicklungsstand von unterentwickelten Ländern aus. Mit dem neuen unternehmensbezogenen CSR-Angebot givingResponsible schließen wir nun den Bogen zwischen Unternehmen, Privatpersonen, Lebensstilen und Nachhaltigkeit. Unternehmen, die ihren Bürobedarf, ihre Werbemittel oder ihre Unternehmenspräsente über „giving Responsible“ beziehen, können sich sicher sein, dass sie qualitativ hochwertige Produkte erwerben, die unter sozialen und umweltfreundlichen Umständen produziert wurden. Die große Kaufkraft der Unternehmen, die auf diese Angebote zurückgreifen, ermöglicht es, Entwicklungsprojekte zu forcieren, langfristig zu finanzieren und so die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in Entwicklungsländern nachhaltig voranzutreiben. Neben diesen neuen Impulsen für entwicklungspolitisches Engagement steht vor allem aber auch die Unterstützung des sozialen und ökologischen Engagements in Deutschland im Mittelpunkt. So werden mit givingResponsible Brücken zwischen der Entwicklungsarbeit im Ausland und Unterstützungsleistungen in Deutschland geschlagen, die das oft diskutierte "Entweder oder" bei der Auswahl des eigenen oder des Unternehmensengagements auflösen helfen. So starten wir zur diesjährigen Fußball Europameisterschaft einen ganz besonderen Brückenschlag zwischen der regionalen Jugendhilfe in Köln und Jugend- bzw. Entwicklungshilfe in Brasilien. Gemeinsam mit der Kölner RheinFlanke, deren Ziel ist es, Jugendliche aus sozialen Randbereichen wieder in der Gesellschaft zu integrieren und sie zu motivieren, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen, wird aktuell rund um das Brettspiel Kick it eine Kampagne zur Entwicklungshilfe in Brasilien aufgesetzt. Denn das Spiel, welches mit nur einer Geldmütze spielbar ist, indem man ihn per Fingerschnipsen in das gegnerische Tor katapultiert, hatte seinen Ursprung auf den Straßen von Brasilien. Derzeit wird das Spiel in der Werkstatt der Lebenshilfe Leverkusen hergestellt und von der RheinFlanke vertrieben, um für das Jugendhilfeprojekt eine weitere Finanzierungsquelle zu erschließen. Doch im Hinblick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien, sollen ebenfalls Produktionsstätten in Brasilien aufgebaut und das Spiel verkauft werden, um auch vor Ort Jugendinitiativen und Bildungsprojekten eine langfristige Finanzierung zu ermöglichen. So schließt sich der Kreis und Unternehmen in Deutschland können sich bereits zur Fußball EM sowohl für Jugendhilfe in Deutschland als auch zukünftig in Brasilien einsetzen. Und dies ohne zusätzlichen Aufwand: denn Unternehmen können einfach einen Teil ihrer Werbeausgaben einsetzen, um anstelle der bisher oftmals sinnlosen und wahllos verschenkten Werbemittel nun über givingResponsible das Spiel Kick it mit ihrem eigenen Logo zu individualisieren und gezielt an Kunden und Geschäftspartner auszugeben. Auch Ministerin Angelica Schwall-Düren ist von den Ideen der „Green Economy“ ebenso beeindruckt wie von „Kick it“ selbst und war, wie am Ende des Konferenzfilms zu sehen, spontan für eine Partie zu begeistern.
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